Erfahrungsberichte der Stipendiaten 2013 - 2014

Erfahrungsberichte der Stipendiaten 2011 - 2012

Freiwillige Jugend- und Sozialarbeit in Zusammenarbeit mit dem Regionalbüro des Kolpingwerkes Mexiko in Mexiko - City

Stipendiat 2013/2014

Herr Juan-David Tschan (Schweiz)
Elektroinstallateur, Jahrgang 1991, wohnhaft in Balsthal, vorgeschlagen von seinem Mentor Herrn Rolf Iselin, Hörmann Schweiz.

Erfahrungsbericht vom 28.07.2014

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Rückblick 6 Monate in Mexiko
9.9.2013 bis 9.3.2014

Rückblick eines wundervollem, ereignisvollem, bewegtem und spannendem halbem Jahr. So nun ist es schon mehr als 6 Monate her als es damals im Herbst 2013 hiess: Herzliche Gratulation sie bekommen die Möglichkeit am Hörmann Stipendium teilzunehmen und somit nach Mexiko Stadt zu gehen, um dort für ein Jahr bei Kolping Mexiko mitzuhelfen.
Mit toller Unterstützung und Betreuung von Ulrike Weinbrenner und Infos von Laura Steinel hatte ich mich gut vorbereitet und alle nötigen Unterlagen frühzeitig vor meiner Abreise am 9.09.2013 erledigt gehabt.
Wie schnell die Zeit doch vergeht. Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. Somit beginne mal von Anfang an und probiere sogleich meine Erfahrungen und Tipps hier niederzuschreiben, für die Nächsten glücklichen die am Hörmann Stipendium teilnehmen dürfen. Als Erstes möchte ich betonen wie wichtig oder zumindest es von Vorteil ist schon ein paar Grundkenntnisse der Sprache zu beherrschen. Es vereinfacht es einem sehr, sich zu verständigen und schneller einen Draht zu den Leuten zu finden. An Freundlichkeit und Wärme fehlt es zwar den Mexikaner keineswegs und noch weniger den Leuten von Kolping, hier hat man von Anfang an das Gefühl zur Familie zu gehören. Doch hilft es einem schneller in die vielfältige Kultur, Politik und Gesellschaft tiefere Einblicke zu bekommen. So "verliert" man nicht all zu viele Wochen damit sich zuerst mit der Sprache rumzukämpfen. Und kann gleich viel früher beginnen, die Giganten Stadt, die riesen Kontraste, die atemberaubenden Vermächtnisse der alten Kulturen, die Vermischung der Traditionen der prähispanischen Zeit zur heutigen Zeit, die Leute und natürlich die tolle Arbeit von Kolping Mexiko zu erforschen und kennenzulernen. 
Mexiko Stadt ist kaum anders zu beschreiben als ein Gigant, wenn das Flugzeug sich über der Stadt befindet und man einfach nirgends ein Ende sieht, bekommt man schon einen ziemlich guten Eindruck über, um was für Dimensionen es sich hier handelt. Mexiko Stadt, die drittgrößte Metropole der Welt, die zwischen 20 und 25 Millionen Einwohner zählt. Bei der Landung vermischten sich viele Gefühle. Neugier, Spannung, Glück und sicherlich auch ein wenig Unsicherheit, weil ich nicht wusste was mich erwarten würde. Doch war das stärkste Gefühle wohl Erleichterung nach so einem langen Flug wieder das Flugzeug verlassen zu können.
Endlich angekommen und sehr herzlich empfangen kamen mir die ersten Wochen nicht wirklich real vor, so viele neue Eindrücke, neues Essen (superleckeres Essen), neue Umgebung halt ne Umstellung auf das, was man gewohnt ist. Man verlässt die Komfortzone und die Routine, in der man sich Zuhause eingelebt hat und wächst vom ersten Tag an zu einem neuen Selbst heran. Einem besseren Selbst.
Ein kurzer Seitensprung zum Thema Kriminalität. Von vielen hörte ich vor meiner Abreise oh nein Mexiko? Pass bloss auf das ist dort sehr gefährlich geh lieber nicht.
Meiner Meinung und Erfahrung nach sind die Leute, die dir diese Angst oder Unsicherheit vermitteln wollen.
1. Sehr wahrscheinlich noch nie im Mexiko gewesen, der einzige Rückhalt ihrer Kommentare sind die Nachrichten, die sie einfach nachplappern.
2. Sehe ich das so, dass man sich die Leute sucht und anzieht. Kommt man mit dem Ziel hier her neue Erfahrungen zu machen zu lernen und zu wachsen, wird einem wohl nichts Schlimmes passieren.
3. Hört man auf die Tipps der Einheimischen und ist nicht grad naiv und traut jedem z.B. sein Handy an oder prallt damit auf der Strasse rum wird auch hier nicht viel passieren.
In meinem 6 Monaten hatte ich Gott sei Dank noch nie eine unangenehme Situation fühlte mich unsicher oder gar bedroht. Wichtig ist es einfach Vorkehrungen zu treffen wie in jeder Grossstadt.
Wieder zurück zu Kolping. Nach den ersten Wochen hier des kennenlernens und Einlebens hatte ich dann die erste Sitzung mit Monika (die Koordinatorin von Kolping Mexiko-Stadt) um zu planen, was ich in den ersten Monaten machen werde. Hier ist wichtig zu erwähnen, dass es nur zum Vorteil ist schon praktische Erfahrungen in der sozialen Arbeit zu haben oder sonst wie in Vereinen, der Pfadi oder so ähnlich. Denn hier in Kolping ist selbst initiative gefragt.
Mich Persönlich hat das zu anfang sehr viel Motivation und Kopfzerbrechen gekostet, da ich einen technischen Beruf erlernt habe, hatte ich ab und zu das Gefühl nutzlos zu sein doch mit der Zeit kamen dann die Ideen und auch die Inspiration. Das waren meine einzigen Momente, die meine Stimmung ein bisschen trübten, doch auch das habe ich hingekriegt und dies hat mir schlussendlich sehr viele tolle Erfahrungen gebracht und habe nebenbei sehr viel gelernt. All das hat zu meinem persönlichen Entscheid geführt, dass wenn ich zurück bin die Schulbank wieder drücken will. Mit dem Ziel meine zukünftige berufliche Tätigkeit der sozialen Arbeit zuwidmen. Das und noch vieles mehr hat mir bisher das Hörmann Stipendium und meine Zeit hier in Kolping gegeben.
Zum Schluss will ich jeden Motivieren der mit dem Gedanken spielt die Chance anzupacken und am Hörmann Stipendium teilzunehmen.
Es ist es wert, und solltest Du wie ich von einigen Leuten hören du wirst ein Jahr verlieren……QUATSCH…..man gewinnt Jahre an Erfahrungen, Eindrücken erweitert seinen Horizont und wächst über sich hinaus. Man lernt so viele tolle und interessante Orte, Ideen und Menschen kennen. So viele neue Freundschaften die entstehen. Ich würde es mir nie verzeihen, wenn ich mir diese Chance durch die Finger hätte gehen Lassen. Denn ich würde jetzt schon behaupten, dass ich nicht mehr der gleiche bin der vor 6 Monaten in das Flugzeug gestiegen ist.
Danke an Hörmann an Kolping und allen die dazu beigetragen haben mir und hoffentlich noch vielen Jugendlichen diese Möglichkeit zu geben. 

 

Erfahrungsbericht vom 11.01.2014

Silvester verbrachte ich in Kolumbien mit meiner dortigen Familie, meiner Mutter und Rolf, die nach Kolumbien reisten. Ich flog hier am 20.12.2013 ab und verbrachte dort Weihnachten. Meine Mutter und Rolf kamen am 28.12 an und ich flog am 3 Januar 2014 zurück, um nach Veracruz gehen zu können, um dabei zu sein wie die gespendeten Spielzeuge und Kleider abgegeben wurden.
Woooow was für eine Erfahrung. Noch nie habe ich sowas erlebt. Das Erste, was einen Europäer erstaunt ist, wie die Leute dort leben und wie sie trotzdem so ein Strahlen haben. Es war unglaublich zu sehen, wie die Bewohner und die Kinder froh waren Spielzeuge und Kleider zu bekommen und die meisten Sachen waren nicht mal neu. Ich kann es kaum in Worte fassen. Doch es ist nicht nur, dass wir ihnen was gaben. Nein, auch sie gaben uns allen sehr viel von ihrem Strahlen und mich brachte es sehr zum Nachdenken. All diese soziale Ungerechtigkeit, wie krass es drauf ankommt, wo man geboren wird und welche Möglichkeiten man hat, da lernt man sehr zu schätzen, was man Zuhause alles hat. Auch, dass all diese modernen "Probleme" die man hat, eigentlich sehr klein sind im Vergleich zu anderen Orten. Ich werde mich immer an diese Erfahrung erinnern und dadurch bewusster meinen Wohlstand schätzen, viel dankbarer sein für das, was ich habe und versuchen dieses Gefühl von Dankbarkeit jeden Tag wieder so fühlen zu können.

Am 9.01.2014 ging es wieder los mit meiner Routine in der Rezeption und meiner Arbeit. Kaum zu fassen, wie bereits diese 4 Monate mein Leben, Denken und Träume beeinflusst haben und zwar zum Besseren. Wie viel ich hier schon gelehrt habe und wie viele bemerkenswerte Menschen ich getroffen habe. Bevor ich nach Mexiko kam, wusste ich nicht wirklich, was ich machen wollte, wie mein Weg aussehen und ich ihn gestalten soll. Man könnte sagen ich war ein wenig verloren. Hier wird es mir jedoch immer klarer. Schon nur dafür möchte ich allen beteiligten tausend Dank aussprechen.

 

Erfahrungsbericht vom 19.10.2013

Nun bin ich schon über einen Monat hier. In dieser Zeit habe ich sooo vieles gesehen, erlebt, gelernt und gegessen :) Ich kann der Hörmann Familie gar nicht genung danken, für die Möglichkeit hier zu sein.

So zu meinem aktuellem Stand hier:
Ich fühle mich langsam schon wie zuhause, mein Spanisch wird immer besser und der mexikanische Akzent bleibt auch schon langsam kleben. Zu meinen Aktivitäten, die haben nun mehr Struktur. Nach dem ganzen Einleben und Kennenlernen.
Meine Woche sieht mehr oder weniger so aus:

Von Montag bis Freitag öffne ich um 8 Uhr die Tore von Kolping Mexiko um den Schülern die hierher kommen Einlass zu gewähren, die am Projekt teilnehmen, das vor 3 Wochen startete (Kulturinsitut Kolping). Bis 9 Uhr sammle ich den Abfall zusammen und trage ihn raus, da die Müllabfuhr, oder so ähnlich (ist nicht ganz so wie wir das kennen), vorbei kommt. Um 9 Uhr kommen dann die ersten Leute. Am Montag, Mittwoch und Freitag sind es die vorwiegend älteren Frauen die zum Yoga Kurs kommen, der bis 10 Uhr dauert. Am Dienstag und Donnerstag sind es die Kursteilnehmer die zum Zumba kommen. Die Verantwortung der Rezeption wurde mir bis 10 Uhr übertragen. In dieser Zeit gebe ich Infos, berate, kassiere Kurskosten und beantworte das Telefon falls jemand anruft. Etwa Um 10 Uhr kommt dann Claudia, die Sekretärin und helfende Hand von Monika (Koordinatorin von Kolping Mexiko). Claudia übernimmt die Rezeption bis 8 Uhr und ich widme mich meinen anderen Aufgaben, die ich zusammen mit Monika in einer Sitzung besprochen habe (etwa in der 3. Woche die ich hier war). Für die nächste Zeit wären diese:


- Die Organistation (Flugblätter etc) und Motivation der Leute für die Spendensammlug der drei Könige (hier beschenkt man die Kinder am drei Königstag). Alles gesammelte wird dann Ende Dezember in die Region Xoxocotla genauer ins Dorf Zolihua (Veracruz) gebracht, um die Kinder und Erwachsenen dort zu beschenken, die einen sehr niedrigen Lebensstandard haben. Zusammen mit Claudia habe ich Kronen gebastelt, um denjenigen, die was Spenden, diese aufzusetzen und sie als Könige darzustellen auf den Fotos =)

- Die Erstellung verschiedener Plakate z.B eins das über Adolf Kolping handelte. Das nächste wird sich um den Tag der Toten handeln, der am 1. und 2. November gefeiert wird.

- Die Erstellung des Protokolls der Sitzung, die wir jeden Montag haben

- Sammlung von Videos und Bildern zur Erstellung einer DVD, die ich im Kaffee Kolping zeigen möchte. Ich dachte mir, statt die ganze Zeit Nachrichten zu sehen, könnte man motivierende Videos zeigen, oder auch zeigen, was mit der Umwelt passiert durch die ganze Vermschutzung etc.----> Förderung des Bewusstseins (Umwelt,Mitmenschen usw)

- Das Konzept und die Erstellung eines Videos für Kolping Paderborn, zum Dank der Unterstüzung für die Errichtung dieses neuen Gebäudes von Kolping Mexiko

- Jeden Mittwoch gehe auch auch noch von 17:00 bis 19:00 Uhr zur UNAM(Universidad Nacional Autónoma de México) an einen Kurs über Volksbildung. Die Idee von Monika ist es, falls ich will und mich bereit fühle, diesen Kurs hier in Kolping geben zu können :D (im nächsten jahr). Also bereite ich mich sehr gut darauf vor, um gewappnet zu sein. Das Thema ist sehr interessant und ich kann viel daraus lernen.

- Dann ist noch das Projekt, das ich starten möchte und schon ein wenig dran bin (Erstellung eines Konzepts) mit einer Spendensammlung in der Schweiz, für das Kultur Institut Kolping(das Schulprojekt), weil ich mir dachte, dass Jugendliche, die wirklich wollen, auch die Möglichkeit haben sollten, sich zu bilden.

So sieht eine Woche mehr oder weniger bei mir aus. Natürlich helfe ich auch wo ich kann und es nötig ist. An den Wochenenden wird mir auch nicht langweilig, da ich von allen eigeladen werde zum Grillen, zu Ausflügen oder eifach um mir die Stadt zu zeigen etc.