Stipendiat vom 17.09.2011 - 31.12.2011
Herr Paul Kuttke (Deutschland)
Abiturient, Jahrgang 1990, wohnhaft in Halle / Westfalen, vorgeschlagen von seinem Vater Herrn Peter Kuttke, Hörmann KG Amshausen

Erfahrungsbericht:
Als ich am 17.9.2011 in Tirana, der Hauptstadt von Albanien, gelandet bin, gab es zunächst noch nicht den vorher versprochenen Kulturschock. Die Hauptstadt ist an den meisten Ecken kaum von anderen Großstädten zu Unterscheiden, laut, belebt und gut ausgebaut. Als ich mich dann mit dem Fahrer auf den Weg in die Bergregion Pukë gemacht habe, in der auch Fushe-Arrez liegt, wurden dann doch gravierende Unterschiede erkennbar. Um so mehr man sich von der Hauptstadt entfernt, desto mehr Armut und Notstand wird erkennbar. Fushe-Arrez hat auf dieser Fahrt den Versprochenen Kulturellen Schock dann komplett ausgelöst. Die Stadt, die während der Kommunistischen Diktatur als Planstadt errichtet wurde, beheimatet rund 4000 Einwohner, von denen die meisten in den ärmlichen und schlecht ausgestatteten „Pallatet“ (dt. Paläste) Wohnen. Die Arbeitslosigkeit betrifft hier rund 70% der Bewohner, was man dann an dem stets vollem Marktplatz und den vollen Bars sehen kann. Die Straßen sind hier äußerst schlecht ausgebaut und es fällt oft schwer zischen den ganzen löchern überhaupt eine Straße zu erkennen, aber ich war erst mal angekommen und wurde sehr Herzlich in der Missionsstation empfangen. Die Mission, die schon seit 16 Jahren existiert, wird seit dem ersten Tag von den beiden Franziskaner Schwestern Bernadette und Gratias geleitet und verwaltet. Bruder Andreas, der neben seinem Dasein als Kapuziner auch noch der Katholische Pfarrer der Region ist, die rund 15 Dörfer in einem Umkreis von 60Km umfasst, ist nun seit 4 Jahren hier.
Die Albanische Kultur, die sich vor allem in Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und der Gastfreundlichkeit sehr unterscheidet, habe ich bei einigen Hausbesuchen kennengelernt, die der Pfarrer hier des öfteren macht um sich nach dem Wohl seiner Gemeinde zu erkunden. Es ist sehr Ungewöhnlich wenn man als fremder, der ich bis dato noch war, bei einer ärmlichen Familie zum Essen eingeladen wird. Die patriarchalische Kultur wird schon bei der Begrüßung erkennbar, hier haben die Männer dem Alter nach den Vorrang, und auch beim Essen ist alles ein wenig anders. Die Frauen Essen, wenn Besuch im Haus ist, separiert von den Männern und betreten den Raum nur um nach zu füllen. Trotz der ärmlichen Verhältnisse, bescheidenen Behausungen und Spartanischer Einrichtung wird einem hier immer alles angeboten was an Lebensmitteln und Freundlichkeit vorhanden ist, was vielmals ein Unbehagen auslöst, man möchte ja niemanden etwas weg essen.
Nach der Eingewöhnungszeit ging es dann für mich an die Arbeit. Als Freiwilliger hier wird einem nur schwer langweilig, denn bei den vielen Projekten und Tätigkeiten die von der Station ausgehen gibt es eigentlich immer etwas zu tun. Der Hof und die damit verbundene Logistik ist zum Großteil ein reiner Kraftakt, bei dem schwere Fenster, Türen, Säcke, Kartons und was sich hier sonst noch auf dem Hof befindet bewegt werden muss. Monatlich Rollen hier bis zu drei LKWs aus Deutschland oder Österreich an um weitere Hilfsgüter zu bringen, die dann wieder gelagert werden wollen. Das Magazin oder auch Lagerhaus, dass die Schwestern eingerichtet haben, um die Unmengen an Hilfsgütern die hier ankommen irgendwie verstauen zu können, ist meist nur ausreichend für die Dinge die nicht nass werden dürfen, wie Lebensmittel oder Kleidung. Der Rest, wie Bettgestelle, Schränke, Tische, und auch die besagten Fenster und Türen werden dann sorgsam auf dem Hof aufgebaut und so gut es geht Wetterfest gemacht.
Einmal im Monat kommt ein LKW von einer nahegelegenen Mühle hier her und bringt uns rund 15 Tonnen Mehl vorbei, die per Hand abgeladen werden. Diese enorme Menge wird dann in 50Kg Portionen, zusammen mit anderen Lebensmitteln, die sich aus den Hilfstransporten ergeben, gestaffelt auf zwei fixe Termine, an 300 bedürftige Familien aus dem Umkreis ausgegeben. Die Schwestern haben dieses Projekt nicht nur ins Leben gerufen, sondern pflegen es auch sehr liebevoll und sorgsam. Um alle Mittel möglichst Sinnvoll einzusetzen, kontrollieren die Schwestern die Bedürftigkeit der Familien aus ihrer Liste stichprobenartig, oder nehmen auch, wenn nötig, neue Familien auf.
Ein Projekt dass zur Zeit besonders viel Körperlichen Einsatz erfordert ist der Umbau des Hofes. Er wurde viele Jahre lang vernachlässigt und so weißt an vielen Ecken grobe Mängel auf. Aus Gründen der Praktikabilität wurde daher entschieden den Hof zu Planieren und zu Pflastern beziehungsweise zu Teeren. Für mich bedeutet dass dann Schubkarrenweise Erde und Kies zu fahren, Pflasternsteine zu den Arbeitern zu brinigen und neue Schächte für die Kabel und Wasserleitungen aus zu heben.
Wenn auch eher selten, gibt es hin und wieder etwas Büro Arbeit für mich. Hier habe ich mich hauptsächlich bisher um die Weihnachtspost der Schwestern gekümmert. Es müssen rund 2000 Adressen überarbeitet und auf die Umschläge gedruckt werden, ein Layout für die Grußkarte entworfen werden und diese dann nach dem Druck in jeden einzelnen Brief eingesteckt werden. Auch wenn sich meine Arbeit meist um den Umbau des Hofes der Missionsstation dreht. Außer der Hofarbeit, den Transporten und der Nahrungsmittelverteilung gibt es zu dieser Jahreszeit nicht mehr viel was Abwechslung bereitet, denn auch wenn ich das Wetter bisher als angenehm Warm und Trocken erlebt habe ist doch jeder Zeit mit einem plötzlichem Wintereinbruch zu rechnen. Bauprojekte, wie Renovierungen und Neubauten für die Bedürftigen oder auch Kirchenbau, den die Schwestern und der Bruder finanzieren, sind bereits eingestellt worden.
Stipendiat vom 03.10.2011 - 30.09.2012
Frau Fan Shi Shi (China)
Studentin, Jahrgang 1988, wohnhaft in Hangzhou, vorgeschlagen von Frau Fanny Liu, Mitarbeiterin in der Hörmann Niederlassung Shenzhen.

Download: Erfahrungsbericht in Chinesisch (PDF)
Erfahrungsbericht:
Ankunft:
nach meinem ersten Auslandsflug kam ich am 03.10.2011 in Deutschland bzw. in der Stadt Bielefeld an. Frau Weinbrenner von der Fa. Hörmann nahm mich im Flughafen Paderborn herzlich in Empfang. Im Laufe der Zeit sind meine anfängliche Angst, Ungewissheit und Bedenken vor der fremden Umgebung verschwunden. Trotz dem Heimweh genieße ich hier das ruhige und unkomplizierte Leben mit großer Freude, nachdem die üblichen Schwierigkeiten überwunden worden sind. Hier habe ich meine Sprachunterrichte, meine Arbeit und meine neuen Freunde!
Sprachschule:
Angesichts meiner relativ wenigen Deutschkenntnisse organisierte Fa. Hörmann nach meiner Anreise für mich einen Sprachkurs an der Sprachschule Bibis, der zwei Monate dauerte. Während dieser Zeit besuchte ich vormittags den Sprachunterricht und bekam nachmittags noch zusätzlich Nachhilfe von Frau Liu, die ich über Fa. Hörmann kennenlernte. Dank iher Hilfe und der Unterstützung von Fa. Hörmann ist mein Deutsch deutlich besser geworden. In der Sprachsschule habe ich auch neue Freundschaften geschlossen.
Arbeit im Haus Enon:
Am 06.12.2011 begann meine Arbeit im Haus Enon für Epilepsiepatiente, die ihr Leben im Bett oder Rollstuhl verbringen und sehr pflegebedürftig sind. In den letzten zwei Monaten bin ich nicht nur von der sorgfältigen, verantwortungsvollen und liebevollen Pflege der Mitarbeiter, sondern auch von den modernen medizinischen Ausstattungen, welche ich noch nie gesehen hatte, sehr beeindruckt. Hier im Haus Enon bekommt jeder Patient eine erstklassige Betreuung und menschliche Behandlung, z.B. Physio- und Musiktherapeut. Das Reiten als Sporttraining bewundere ich sehr.
Auf der Arbeit bekomme ich nicht nur Anerkennungen von den Patieten, sondern auch viel fachliche und sprachliche Hilfe und Unterstützung von den Kollegen und Kolleginnen, wodurch ich mich sehr wohl fühle. Hier möchte ich insbesondere Frau Sabine Hellweg erwähnen, die mich mit viel Geduld und Liebe eingearbeitet hat. Mittlerweile kann ich an der Übergabesitzung teilnehmen und Pflegearbeiten für 5 Patieten allein erledigen. Dies gibt mir viel Mut und Kraft für die nächste Zeit.
Meine Freizeit:
In der Sprachschule habe ich schnell neue Freunde kennengelernt, mit den ich in der Freizeit zusammen kochen, schwimmen, spazierengehen können. -Bei den gemeinsamen Ausflügen nach Köln, Bonn, Düsseldorf, Münster und Berlin hatten wir sehr viel Spaß. Mit ihnen habe ich das chinesische traditionelle Neujahrsfest am 22.01.2012 zusammen gefeiert.
Abschließend möchte ich all den Menschen, die mir diese einmalige Chance gegeben und auf diesem Weg geholfen haben meinen herzlichen Dank sagen.
Stipendiatin vom 01.05.2012 - 31.01.2013
Frau Laura Steinl (Deutschland)
Studentin, Jahrgang 1988, vorgeschlagen von ihrem Vater Herrn Karl Steinl, Außendienstmitarbeiter Norm, Niederlassung Frankfurt.

Erfahrungsbericht:
¡Viva México! - Ein Erfahrungsbericht
Am 28. März habe ich mein Hörmann Praktikum bei Kolping Mexiko angetreten. Hier nun ein paar
gesammelte Eindrücke und Erfahrungen.
Kolping Mexiko ist in unterschiedlichen Regionen Mexikos vertreten, ich absolviere mein
Praktikum direkt in der Hauptstadt, dem Distrito Federal.
So unterschiedlich und vielfältig wie Mexiko selbst ist auch die Arbeit Kolpings in den
verschiedenen Regionen. Ein generelles Anliegen der Mitglieder Kolpings (Festangestellte
sowie Ehrenamtliche und alle Mitglieder der Kolpingsfamilie(n)) ist es, die eigenen
Bedürfnisse und Nöte als auch die der Menschen vor Ort zu erkennen und gemeinsam
adäquate Ideen zu entwickeln um somit die Lebenssituation und -qualität zu verbessern.
In ländlichen Regionen können das die Produktion und der Vertrieb von Likör und Marmelade
oder auch die Etablierung eines kleinen Lebensmittelladens sein, wobei die jeweiligen
„Regionalteams“ als Ansprechpartner zur Seite stehen. In der Anfangsphase bedeutet das
finanzielle Unterstützung in Form von Mikrokrediten und Hilfe bei der Entwicklung und
Umsetzung der Projektidee, aber auch danach steht Kolping in beratender Funktion zur
Seite und bietet Fortbildungen an, die sich an den jeweiligen Notwendigkeiten orientieren.
Ziel ist es, „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu geben. Mitglied der Kolpingsfamilie zu sein bedeutet
aber nicht nur, eine nette Geschäfts/Projektidee zu haben – viel mehr ist man Teil einer
Gemeinschaft, die gewillt ist, gemeinsam Wege zu finden, solidarisch und
verantwortungsbewusst zu handeln. Bindend sind dabei der Glaube und der kollektive
Gestaltungswille. Die einzelnen Projekte sind somit Ausdruck einer gemeinsamen
Handlungsethik.
Beispielhaft habe ich kurz die Arbeit im ländlichen Raum beschrieben, die Umgebung
Mexiko-Stadt stellt selbstverständlich andere Erfordernisse an die Arbeit Kolpings.
Mexiko-Stadt ist ein Gigant, mit dem man sich erst mal vertraut machen muss. Es ist laut,
voll, mitunter auch etwas chaotisch und einfach riesig. Die Begebenheiten an sich
verlangen schon einiges an Anstrengung ab. So ist es keine Seltenheit, dass man erst mal
eine kleine Reise in der überfüllten Metro zurück legen muss, um an den jeweiligen
Arbeits-/Ausbildungs-/Zielort zu kommen. Die Metropole ist in 16 Delegaciones
(Verwaltungseinheiten/Stadtbezirke) aufgeteilt, die wiederum in Colonias gegliedert
werden. Dabei sind die Lebensstandards in den einzelnen Delegaciones höchst
unterschiedlich, aber auch jede Colonia entfaltet ihre ganz eigene Dynamik. Die
Fundación Kolping ist in Martín Carrera angesiedelt, eine Colonia ganz in der Nähe der
Villa Basílica, einem bedeutenden Wallfahrtsort. Martín Carrera würde man bei uns wohl
als „heißes Pflaster“ bezeichnen. Jedenfalls erschließt sich mir das aus den besorgten
Reaktionen, die ich erhalte, wenn ich Auskunft über den Ort meiner Arbeitsstelle gebe.
Das Straßenbild ist geprägt von „tianguis“, kleine, improvisierte Stände in denen so allerlei
Gebrauchtwaren aber auch Lebensmittel verkauft werden – manchmal hat das schon was
von einer Dauerkirmes. Nur leider ist die eben nicht aus einer Zuckerwattenlaune heraus
geboren, sondern deswegen, weil viele Menschen ihren Lebensunterhalt nicht (nur) durch
eine „anständige Erwerbstätigkeit“ verdienen können. Leider ist die Gegend auch für
Taschendiebstähle und Drogenhandel/-konsum bekannt und sicherlich sollte man seinen
Abendspaziergang besser ins heimische Wohnzimmer verlagern. Ich habe bisher
glücklicherweise noch keine negativen Erfahrungen machen müssen – im Gegenteil, auf
meinem täglichen Arbeitsweg habe ich inzwischen einige Bekannte mit denen ich das ein
oder andere Schwätzchen halte. Und die meiste Zeit bin ich sowieso in der Fundación –
dem Casa Kolping.
Wie ich bereits erwähnte, richtet sich die Arbeit Kolpings an den Gegebenheiten und
Bedürfnissen aus und so ist das Casa Kolping eine wahre Oase, ein guter und lebendiger
Ort. Es gibt einen kleinen Innenhof, in dem sogar ein bisschen Grünes seine Wurzeln
geschlagen hat. Dort treffen sich Studierende und andere Lerngrüppchen, um in
angenehmer Atmosphäre ihre Arbeit zu verrichten. Der Innenhof wird von zwei Gebäuden
umsäumt, in einem befindet sich das Nationalbüro und ebenerdig ein großer, heller Salón,
der für Kurse und Veranstaltungen genutzt, aber auch zu externen Feierlichkeiten
vermietet wird. In dem anderen Gebäude sind das Regionalbüro und weitere
Schulungsräume angesiedelt. Außerdem gibt es noch eine Cafeteria, ein Projekt, das ich
noch detaillierter beschreiben werde. Im Kolpinghaus sind einige Angebote fest installiert,
dazu gehören ein Psychologe, kostenlose juristische Beratung und neuerdings auch die
Möglichkeit einer homöopathischen Konsultation. Daneben bieten wir ein breit gefächertes
Kursprogramm an. Einerseits sind darin Freizeitaktivitäten, wie z.Bsp. Karate, Capoeira,
Salsa, Gitarrenunterricht oder Zeichnen integriert. Andererseits offerieren wir auch Sprach- und
Mathematikkurse, die sowohl von Schülern als Ergänzung zum regulärem Unterricht,
aber auch von Erwachsenen wahrgenommen werden.
Darüber hinaus gibt es eine Auswahl an beruflichen Weiterbildungsmöglichkeiten. Dazu
gehören u.a. Computerkurse, Startup-Trainings, Unternehmungsplanung und
Back-/Konditoreikurse.
Zudem werden in unserem Haus auch Fortbildungen für die Mitglieder der
Kolpingsfamilien veranstaltet, die ihre Erfahrungen dann wiederum in ihre jeweiligen
Wirkungskreise weiter geben.
Und dann gibt es natürlich noch die Arbeit das Nationalbüros – von dort aus wird
koordiniert, konzeptioniert, kommuniziert, dirigiert, telefoniert... Da ich aber hauptsächlich
im Regionalbüro tätig bin, werde ich es bei dieser groben Beschreibung belassen und nun
meinen Aufgabenbereich präzisieren.
Morgens besetze ich die Rezeption im Regionalbüro. Dort gilt es Ansprechpartnerin zu
sein, Präsenz zu zeigen, über Kurse zu informieren und natürlich gute Laune zu
verbreiten. Und täglich grüß ich morgens an der Rezeption – nach meiner
Rezeptionistentätigkeit gestalten sich meine Wochentage unterschiedlich.
Unter anderem begleite ich einen Deutschkurs. Da es schon eine Deutschlehrerin gibt,
besteht meine Aufgabe insbesondere im „Kommunikationstraining“ und im informieren
über die „deutsche Kultur“, das heißt, ich stelle deutsche Tageszeitungen oder das
Schulsystem vor oder wir plaudern über deutsche Städte und die deutsche Geschichte...
Dabei ist es eine lustige Erfahrung, feststellen zu müssen, wie wenig man Stereotypen
über Nationalitäten verallgemeinern kann. Plötzlich befindet man sich in der Situation,
etwas erklären zu müssen, womit man sich eigentlich gar nicht identifizieren kann. („Die
Deutschen sind ja sehr akkurat, pünktlich und gefühlsmäßig distanzierter, nicht wahr?!“ -
ich, in Erklärungsnot...: „äääh, mmmh joa, Manche vielleicht schon?!)
Weiterhin arbeite ich in der Cafeteria, die unter diesem Motto steht:
„el café tiene la magia de ser el principio de muchas historias“
Die Cafeteria verfügt über den Zauber, der Beginn vieler Geschichten zu sein. Auch für
mich war das Café gerade zu Beginn eine große Stütze. In der Cafeteria arbeiten – mit
Ausnahme der beiden Chefs – ausschließlich Jugendliche, die von Kolping gefördert
werden. Das Projekt zielt darauf ab, den Jugendlichen eine berufliche Zusatzqualifikation
an einem guten Ort zu ermöglichen. Natürlich lernen sie kochen (und können sich so auch
zu Hause ein anständiges Essen zubereiten) und Grundsätzliches der Gastronomie,
generell aber erhalten sie einen ersten Einblick in die Arbeitswelt. Einige der Jugendlichen
sind dann auch anschließend für Kolping tätig. Auch für die Colonia ist die Cafeteria eine
Bereicherung: sie ist Treffpunkt, in dem gutes und günstiges Essen serviert wird und auch
die ein oder andere Veranstaltung angeboten wird. Und sicherlich werden über diesen
Treffpunkt auch weitere Interessenten für unsere Kursangebote generiert. Die Cafeteria
erfüllt also gleich mehrere Funktionen – zu guter Letzt finanzieren die Gewinne auch
weiter Projekte Kolpings. Wie schon erwähnt hat auch mich der Zauber der Cafeteria
gleich gefangen genommen (und das nicht nur, weil ich gerne Kaffee trinke). Ich wurde
sofort mit in die Gemeinschaft aufgenommen, habe viel über die mexikanische Küche
lernen dürfen und konnte meine Sprachkenntnisse weiter ausbauen.
„Mein“ Projekt sind aber meine Theaterkurse. Zweimal die Woche arbeite ich mit einer
Gruppe begeisterter Jugendlicher zusammen, mit denen ich bereits ein Stück aufgeführt
habe und ein weiteres folgen wird. Es macht wahnsinnig viel Spaß und es ist erstaunlich,
wie gut die Zusammenarbeit trotz kleiner Sprachbarrieren funktioniert. Allerdings kommt es
auch ab und an zu kleinen Missverständnissen – einmal wollte ich beispielsweise, dass
sich die Schüler von ihren Stühlen erheben, ich sagte aber scheinbar, dass sie ihre Stühle
erheben sollen...und so spazierten plötzlich alle munter mit den Stühlen über den Köpfen
durch den Raum. Aber sie haben sehr viel Geduld mit mir und verbessern mich auch ganz
ungeniert.
Zusätzlich unterstütze ich noch die Jugendgruppe der Kirche der Colonia, die ein
Theaterstück aufführen möchten. Dort bin ich einmal die Woche und erarbeite mit Ihnen
„Grundtechniken des Theaters“, da sie nach meiner Abreise selbstständig das
Theaterstück weiter entwickeln werden.
Darüber hinaus bin ich noch als „Saisonarbeiterin“ in „außerplanmäßigen Projekten“ tätig.
So durfte ich beispielsweise im „Curso de Verano“ (vergleichbar mit einer
Sommer/Ferienfreizeit) mitarbeiten und kürzlich habe ich eine
Projektinformationsreisegruppe - Kolpinger der Diozöse Paderborn waren angereist, um
sich über die Fortschritte der Kolpingprojekte ihres Partnerlandes zu informieren - quer
durch Mexiko begleitet. Ich war speziell fürs Übersetzen zuständig – jahaa, ich hätte vor
einem halben Jahr auch nicht geglaubt, dass ich das mal können würde...
Das Casa Kolping ist also Bildungszentrum aber gleichzeitig auch Treffpunkt der Colonia.
Ein Mitarbeiter hat mal gesagt: „am Anfang wollte ich die ganze Welt verändern, dann
dachte ich, beginne ich erst mal mit Mexiko und nun bin ich zufrieden, wenn ich hier in der
Colonia etwas bewirken kann.“ Auch wenn das vielleicht frustriert klingen mag, so trifft es
doch ganz gut den Kern der Arbeit hier. Es gibt eine gemeinsame Vision, der Glaube
daran, dass es eine bessere und gerechtere Welt geben kann. Ich denke, dass gelingt
auch. Es ist ein schöner und guter Ort und die Menschen müssen eben nicht erst durch
die halbe Stadt reisen, um einen solchen anzutreffen. Das eine rege Nachfrage besteht,
zeigt sich auch an dem Neubau, der gerade erstellt wird, da unsere Schulungsräume
überlastet sind und dem Zuspruch nicht gerecht werden.
Mexiko ist ein sehr aufregendes und spannendes Land. Man sieht schon so allerlei
Verrücktes und Faszinierendes. Mexiko hat einen eigenen Rhythmus, besonders aber
auch etwas Magisches. Durch die historische Entwicklung und die rabiate Zäsur der
Kolonialherrschaft Spaniens wird die Geschichte in die prehispanische Zeit (Maya,
Azteken) und das Danach eingeteilt. Immer noch sind viele Legenden, Mythen und
Bräuche im mexikanischen Alltag verbreitet. Außerdem zeugen natürlich auch die
baulichen Überreste vom „Ursprung Mexikos“. Sehr beeindruckend z.Bsp. der Templo
Mayor aus der Zeit der Aztekenherrschaft im historischen Zentrum der Stadt, aber auch
die schwimmenden Gärten von Xochimilco im Süden der Stadt sind zauberhaft.
Gerade durch die Projektinformationsreise hatte ich die Gelegenheit, das Land noch
besser kennen zu lernen. Die Natur ist so wunderschön und vielseitig, aber auch die
unterschiedlichen Lebensweisen sind sehr eindrucksvoll.
Außerdem ist Mexiko ein Schwellenland, in dem Arm und Reich Seite an Seite gehen und
das soziale Gefälle sehr viel ausgeprägter ist als bei uns, was natürlich auch Zündstoff
bietet.
All diese vielen Eindrücke und Erlebnisse bringen die Gedanken schon gewaltig zum
Zirkulieren. Selbstverständlich habe ich viele Annehmlichkeiten zu schätzen gelernt. Vor
allen Dingen, wie wertvoll es ist, Familie und alte Freunde in der Nähe zu haben... Aber
auch, dass es angenehm sein kann, in einem ziemlich sicherem Land, in dem die meisten
Menschen relativ gut leben können, (zumindest in materieller Hinsicht) beheimatet zu sein.
Andererseits gibt dies auch Anlass, eigene Privilegien und womit man sich diese eigentlich
verdient hat, zu hinterfragen. Oder ganz nüchtern wurde der Standard, in dem man sich so
gemütlich eingerichtet hat, mal so betrachtet: du bist also aus einem Land, in dem man für
das Kinder-Bekommen Geld erhält und alle Taxis Mercedes sind. Diese Differenzen, die
nicht unbedingt kultureller Natur sind, sondern doch besonders aus den uns zu Verfügung
stehenden Mitteln resultieren, regen natürlich zur Reflexion über den eigenen Lebensstil,
über die eigene Person an. Plötzlich fühlt man sich „fremd“, muss sich selbst verorten und
die eigenen Attribute austarieren. Somit ist diese Auslandserfahrung auch eine Besinnung
auf meine eigenen Wünsche und Wertigkeiten hinsichtlich meiner Lebensgestaltung.
Das klingt anstrengend und das war es mitunter auch oft. Aber glücklicherweise habe ich
sehr viele interessante und liebe Menschen kennen lernen dürfen, die mich begleitet und
unterstützt haben. Alle meine Arbeitskollegen – von den Chefs übers Team bis hin zu den
Jugendlichen in der Cafeteria – sind super und noch dazu habe ich eine tolle
Mitbewohnerin und Leute, mit denen ich irgendwie bekannt wurde... Ich wurde so häufig
eingeladen und dabei haben sich meine Freunde an Mi-casa-es-su-casa-
Gastfreundlichkeit immer wieder selbst übertroffen, so dass es mir beinahe schon
unangenehm war. Aber nur beinahe – dann die mexikanische Küche und baile baile sollte
man nicht unterschätzen :) Schlussendlich habe ich erlebt, dass man unterschiedliche
Lebensweisen, kulturelle Vorurteile, Sprachbarrieren und was man sich sonst noch alles
auf das „Blockadebrot“ schmieren möchte, sehr leicht abfrühstücken kann. Von Bedeutung
ist, Menschen zu treffen, die ähnliche Gedanken, Ideale und Ziele haben und denen
möchte ich nun DANKE sagen.
Vielen Dank an Alle, die mir hier in Mexiko zur Seite stehen und meine Freunde geworden
sind.
Vielen Dank an Kolping Deutschland/Paderborn für die großartige Unterstützung und
Begleitung des Projekts.
Speziell aber gilt mein Dank nun der Familie Hörmann und allen Beteiligten der Firma
Hörmann, ohne die ich diese Erfahrung überhaupt nicht hätte machen können. Vielen
Dank für die finanzielle und organisatorische Unterstützung, aber auch für das Interesse
an meiner Arbeit hier. Ich bin der Überzeugung, dass durch das Hörmann Stipendium eine
außerordentliche Institution geschaffen wurde, die eine eigene, sehr passende Antwort auf
die Herausforderungen unserer Zeit gibt. ¡Muchas gracias!
Ich wohne im Norden der Stadt, in einem relativ sicherem Viertel, das aber nur drei Metrostationen vom Kolpinghaus entfernt ist. Die Wohnung teile ich mir mit einer sehr netten mexikanischen Studentin und ihrem Bruder, was sehr gut funktioniert. Alle organisatorischen Angelegenheiten sind gut geregelt. Die "Kolpingleute" sind alle sehr herzlich und um mein Wohl bemüht, so wurde mir in der ersten Woche jeden Tag von jemand anderem die Stadt gezeigt und ich kann sagen: Méxiko-Stadt (oder auch nur D.F., wie man hier sagt) ist wirklich sehr lebendig, aufregend und interessant.
In den letzten Wochen durfte ich auch schon fleißig in die Arbeitswelt und Struktur von Kolping eintauchen und was ich bisher mitbekommen habe, gefällt mir wirklich sehr gut. Die Arbeitsatmosphäre ist sehr angenehm und produktiv, alle arbeiten an tollen Angeboten und Projekten und es gelingt, so etwas wie eine "Oase" zu kreieren. Ich habe bis jetzt vor allem in der Caféteria, die von zum Großteil von Jugendlichen betrieben wird, gearbeitet. Damit ich meine Spanischkenntnisse noch verbessern kann, habe aber auch schon den Deutschlehrern hier "assistiert" ,indem ich ein bisschen von Deutschland erzähle, deutsche Gedichte mitbringe usw.. Dabei ist es sehr lustig, wenn man mit Stereotypen konfrontiert wird. Wichtiges deutsches Exportprodukt ist beispielweise "RAMMSTEIN", womit ich bislang eher weniger zu tun hatte, was mir die Leute hier ja fast nicht glauben wollen. Andererseits wurde ich auch schon in die Tradition von Goethe, Mann und Humboldt gestellt, weil es ja typisch deutsch sei, gern zu reisen, sowie entdeckungsfreudig zu sein.
Außerdem habe ich an den Meetings der Kolping-Leitung teilgenommen und durfte da auch schon Vorschläge für Angebote machen. Zum Beispiel möchte ich gerne einen Selbstverteidigungs- / Selbstbehauptungskurs für Mädchen initiiern. Und in zwei Wochen werde ich damit beginnen, Theaterkurse anzubieten.
Natürlich hatte ich auch Anfangsschwierigkeiten - ich bin ziemlich "exotisch" hier, alles fühlt sich neu und ein bisschen fremd an und man muss sich erstmal an alles gewöhnen. Aber ich habe das Gefühl, dass ich die "Anfangsphase" langsam überwunden habe. Auch ins "Mexikanische",tatsächlich ist die Sprache schon anders, als die, die einem in Deutschland als Spanisch verkauft wird, komm ich allmählich rein, was alles selbstverständlich erleichtert und entspannter macht.